USA, Arizona, Page, Antelope Canyon. Der Besuch dieses National Parks ist Teil meiner mehrwöchigen Solo-Rundreise durch den mittleren Westen der USA in einem Campervan. Mitten im Nichts liegen zwei schmale Canyons dicht beieinander – Upper und Lower Antelope Canyon. Zwei Linien im Gestein, geformt von Wind, Wasser und Zeit. Von oben kaum erkennbar, öffnen sie sich erst, wenn man hinabsteigt – hinein in ein Spiel aus Licht, Farbe und Stille.
Der Upper Antelope Canyon ist ein schmaler Gang aus geschwungenem Sandstein, der sich in unzähligen Nuancen von Ocker, Rot und Violett verändert. Das Licht fällt nur als Reflexion in den Canyon, nie direkt. Es trifft den Staub in der Luft und verwandelt ihn in glühende Säulen.
Ich wähle die geführte Foto-Tour – mehr Zeit, weniger Menschen, ein Guide, der weiß, wann und wo das Licht den Fels berührt. Zuvor war ich schon mit der regulären Gruppe unterwegs – um mich zu orientieren, um den Ort zunächst einfach zu sehen, bevor ich ihn fotografiere.
Der Canyon ist eine Sackgasse. Man geht hinein, bis das Gestein sich schließt, und kehrt denselben Weg zurück. So begegnet man jedem Motiv zweimal – einmal im Kommen, einmal im Gehen. Das Licht hat sich dann längst verändert.
Der Lower Antelope Canyon dagegen führt hindurch – oben hinein, unten hinaus. Man bewegt sich wie durch einen schmalen Fluss aus Stein. Ich habe versehentlich den falschen Eingang genommen und bin vom Ausgang her eingestiegen. Ein glücklicher Zufall: Alle anderen kamen mir entgegen, verschwanden bald aus dem Bild, und der Canyon gehörte für einen Moment mir allein.
Hier unten lebt alles vom Licht. Es streift über die Wände, taucht sie in weiches Gold, in kühles Blau, in purpurne Schatten. Jede Stunde sieht anders aus. Der Raum selbst scheint zu atmen.
Das Licht ist schwach, das Foto-grafieren verlangt Geduld. Ein Stativ hilft, doch der Sand fällt unaufhörlich von oben herab, schwebt wie feiner Nebel durch die Luft. Ich wechsle kein Objektiv, halte die Kamera unter einer Hülle geschützt. Ein Weitwinkel genügt – mehr braucht es hier nicht.
Man ist nie wirklich allein in diesen Canyons. Und doch hat jeder, der hinabsteigt, seinen eigenen Moment mit dem Licht.